Fr. Dez 14th, 2018

Didavi in Stuttgart zurück zu alter Stärke?

Bei Daniel Didavi hat man das Gefühl, dass ein alter Veteran nach langer Weltumsegelung zurück zu seinem Heimathafen kehrt um hier seine letzten guten Jahre zu verbringen. Dabei ist der Stuttgarter gerade mal 28 Jahre alt und steht somit vor der Blüte seiner Karriere. Doch unglückliche Wechsel und eine unsägliche Historie an Verletzungen prägen die Wahrnehmung des offensiven Mittelfeldspielers. Am Wochenende startet für ihn die Saison im Pokal gegen Rostock. Findet er in Stuttgart zurück zu alter Stärke?

Seit dem Aufstieg von Kevin de Bruyne zum Superstar brachte ein Wechsel nach Wolfsburg selten den erhofften Karrieresprung. In der Wahrnehmung gegnerischer Fans lockt der VW-Konzern gute Spieler mit viel Geld, damit diese anschließend in Wolfsburg wenig daran anknüpfen. Die unliebsame Bezeichnung: Söldner. Ähnlich bewertet wird der letzte Wechsel von Didavi. Nach dem Abstieg des VFB Stuttgart zog es ihn 2016 nach Wolfsburg. Den Abstieg konnte er trotz guter Leistung nicht verhindern, für die zweite Liga war er sich zu schade, um dann auch noch zum unliebsamen VFL Wolfsburg zu wechseln – den Kredit in Stuttgart hatte er sich verspielt. Mit einem angeblichen Verzicht auf 40% seines Gehalts versucht er diesen nun zurückzugewinnen.

Sportlich gesehen unantastbar…

wenn der Körper mitspielt. Die Fähigkeiten von Didavi sind unumstritten. Wären die Verletzungen nicht gewesen, wer weiß wo heute spielen würde. In seiner letzten Saison in Stuttgart war er trotz des Abstiegs absoluter Leistungsträger und kam auf 13 Tore und 5 Assists – 31 absolvierte Spiele zeugen davon, was möglich ist, wenn der Körper mitspielt. Seine erste Saison in Wolfsburg stand unter keinem so guten Stern. Knieprobleme ließen ihn nicht einmal ein Drittel aller möglichen Minuten in der Bundesliga absolvieren. In der letzten Saison hingegen bekam er seine Gesundheit in den Griff und zeigte auf Anhieb seine Qualitäten. Zum knappen Klassenerhalt steuerte er 9 Tore und 6 Assists bei, auch wenn er die entscheidenden Relegationsspiele aufgrund von Achillessehnenprobleme verpasste. Bleibt Didavi gesund, stellt er einen Gewinn für beinahe jede Bundesliga-Mannschaft dar. Dann könnte er mit seinen Qualitäten helfen, den VFB Stuttgart sogar in den internationalen Wettbewerb zu führen. Doch hält sein Körper stand?

Die Statistik macht Hoffnung

Schaut man sich die Historie seiner Verletzungen an, so scheint es, dass Didavi diese schrittweise besser in den Griff bekommen hat. Die Saisons 12/13, 13/14 und 14/15 verpasste er beinahe komplett. Drei ganze Jahre, von unterschiedlichsten Beschwerden und Verletzungen geprägt. Sich überhaupt davon zu erholen, ist bemerkenswert. Doch seit 2015 haben sich Häufigkeit und Frequenz seiner Verletzungen gesenkt. Eine vorsichtigere Belastungssteuerung scheint weiter notwendig. Was ihm zugute kommt, ist einerseits die Erfahrung des VFB Stuttgart mit dem Spieler. Die drei verlorenen Jahre von 2012-2015 sind auch hier noch in Erinnerung. Das Prinzip Vorsicht wird eingehalten. Zum anderen ist der Stuttgarter Kader dieses Jahr vernünftig in der Breite bestückt. So gut Didavi auch sein mag, ihn präventiv das ein oder andere Spiel auf der Bank zu lassen, kann sich der VFB leisten ohne einen allzu hohen Qualitätsabfall zu haben.

Ein Teilzeitarbeiter, der viel Freude bereiten kann

Sollten der VFB Stuttgart und Daniel Didavi selber die notwendige Portion Vernunft, Geduld und Ruhe mitbringen, dürfen sich die Fans auf einen der vielleicht besten offensiven Mittelfeldspieler der Bundesliga freuen – dies jedoch nur in Teilzeit. Für 34 Spiele in der Liga plus Pokalwettbewerbe ist Didavis Körper nicht gemacht. Spannend wird daher sein zu beobachten, was passiert, wenn Didavi Woche um Woche gute Leistungen bringt. Wird die Gier auf weitere Einsätze zu groß, läuft der VFB Gefahr seinen Spieler erneut zu verlieren. Einen absoluten Leistungsträger jedoch regelmäßig auf die Bank zu setzen, werden ebenso wenige Fans verstehen können, vor allem falls der Erfolg dabei ausbleiben sollte. Eine ersten Eindruck können sich Fans dieses Wochenende beim Pokalspiel des VFB Stuttgart in Rostock machen.

 

Schrammenhans