Fr. Dez 14th, 2018

Transfers in England: Fenster schließt – die Folgen

Wer dieser Tage die Premier League verfolgt, der kommt nicht am Thema Transferfenster vorbei. Nicht, dass das zur Zeit der Saisonvorbereitung etwas neues wäre. Dieses Jahr jedoch sorgt England international für Spannung. Im Gegensatz zu den anderen europäischen Topligen, deren Vereine noch bis Mitte oder Ende August Neuzugänge verpflichten dürfen, ist dies nach dem 09.August in England nicht mehr möglich. Vereine aus der Premier League dürfen nur noch bis heute Nacht Spieler verpflichten. Während alle Zugänge also schon an Bord sein müssen, sind noch drei Wochen lang Abgänge möglich. So sinnvoll diese Regel für sich gesehen erscheint, so unglücklich erscheint sie im internationalen Vergleich.

Verpasste Chancen und geförderte Risiken

Dass sich die Offiziellen aus England dazu entschieden haben, ist aller Ehren wert. Lauscht man Vertretern der anderen Ligen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese in den kommenden Jahren nachziehen. Doch dieses Jahr bedeutet dies für die Clubs der Premier League verpasste Chancen und geförderte Risiken. Eine optimale Kaderplanung ist durch die unterschiedlichen Fenster schwierig. Die Möglichkeit einen guten Spieler aufgrund von kurzfristigen, unvorhergesehenen Entwicklungen zu verpflichten ist dahin. Ebenso kann nach Saisonstart nicht mehr auf Verletzungen reagiert werden. Spieler hingegen, die noch wechseln wollen und dies versuchen mit allen Mitteln durchzudrücken, stellen für die Vereine ein noch größeres Problem als zuvor dar. Das prominenteste Beispiel dafür lieferte vor kurzem der streikende Spieler Thibaut Courtois und sein abgebender Verein FC Chelsea. Dieser sah sich in der Kürze der Zeit genötigt, einen 23-jährigen Torwart für 80 Millionen Euro zu verpflichten, der noch nie ein internationales Spiel im Verein absolviert hat. Manchester United könnte mit den unzufriedenen Anthony Martial und Paul Pogba eine ähnliche Posse erleiden. Also wie damit umgehen?

Aufgeblähte Kader oder leere Hände

Im Grunde bleibt den Vereinen nur eine Möglichkeit. Sie füllen ihre Kader mit Spielern auf und hoffen darauf, dass sich internationale Abnehmer für ihre abzugebenden Spieler finden.
Bei Everton, Fulham, West Ham United oder Liverpool sehen wir diese Methode. So tummeln sich bei Jürgen Klopp vor allem im offensiven Bereich zu viele Spieler. Die Offensivspieler Solanke, Origi, Ings, Markovic und Sturridge müssten sich nach aktuellem Stand um die Plätze fünf und sechs für Liverpools offensive Dreierreihe streiten. Abgänge sind vorprogrammiert. Bei West Ham sieht es ähnlich aus: Durch drei namhafte Neuzugänge (Felipe Anderson, Andriy Yarmolenko, Lucas Perez) tummeln sich nun acht Offensivspieler im Kader. Abgänge der Platzhirsche Arnautovic, Snodgrass, Antonio, Chicharito oder Carroll sind wahrscheinlich.
Wer einen aufgeblähten Kader vermeiden will oder bis zum Transferschluss schlicht noch keine Spieler verpflichten konnte, der droht mit leeren Händen dazustehen. Manchester United, trotz eines überragenden Kaders, scheint dieses Schicksal zu ereilen.

Andere Ligen mit Wettbewerbsvorteil?

In den anderen Ligen wird der Umstand gerne gesehen. Der größte Player mit den dicksten Scheinen ist so schon früh aus dem Rennen und die eigenen Chancen auf gute Spieler steigen. Zum Beispiel bei solchen, deren Ausstiegsklauseln erst nach dem 9.August greifen. Ob es im internationalen Vergleich eventuell sogar dafür reicht einen Wettbewerbsvorteil zu erringen, wird die kommende Saison zeigen.

Schrammenhans