Fr. Dez 14th, 2018

Etwas mehr Rückgrat bitte, Bayer 04

Sportlich entwickelt sich Bayer 04 Leverkusen aktuell prächtig. Der Kater nach den Vizekusen-Jahren scheint vorbei. Mit Heiko Herrlich als Trainer, Vertragsverlängerungen der Leistungsträger und verheißungsvollen Neuzugängen wird Konstanz geschaffen. Die Social Media Abteilung des Bundesligisten scheint der Entwicklung und dem neu gewonnen Selbstbewusstsein jedoch noch hinterzulaufen.

Der Auslöser

Beim ersten Spiel des FC Arsenal erhielt Petr Cech den Vorzug vor dem ehemaligen Leverkusener Bernd Leno. In diesem fiel der Tscheche trotz starker Paraden auch mit einer kuriosen Aktion auf, die fast zu einem Eigentor führte.

Das Video sehen sie hier

Der Twitter-Account von Bayer 04 nahm dies zum Anlass, ein wenig humoristischen Spott zu verteilen und forderte den FC Arsenal mit den Zeilen „wir kennen da vielleicht jemanden…“ indirekt dazu auf Bernd Leno ins Tor zu stellen. Nachdem Petr Cech darauf mit dem Verweis auf sportliche Werte, fairen Wettbewerb und Professionalität reagierte, nahm Bayer den Tweet wieder offline und entschuldigte sich kleinlaut mit folgenden Worten:
Hallo Petr. Es scheint, dass unser Scherz darüber, unseren ehemaligen Spieler Leno in Aktion sehen zu wollen, ein bisschen härter und persönlicher genommen wurde als beabsichtigt. Es war nur ein bisschen Geplänkel. Wir sind alle für die von Ihnen beschriebenen Werte und wünschen Ihnen und Ihrem großen Klub alles Gute. Schöne Parade gegen Agüero!“

SCHADE!

Denn in Zeiten zunehmender Profillosigkeit von Profis und Vereinen geht Rückgrat und Humor verloren. Statt für möglichst viele Sponsoren interessant zu sein und daher bloß niemals irgendjemandem aus dem Weltfußball auf die Füße zu treten, hätte man sich hier durchaus etwas mehr Schalk gewünscht. Klar, Petr Cech ist einer der großen im Weltfußball und steht tatsächlich so stark wie wenige andere für Sportlichkeit und Fairness. Aber wie wäre es mit einer Entschuldigung, inklusive einem Verweis wie „Humor ist wenn man trotzdem lacht, Herr Cech“ mit einem Link zu den größten Torwart-Fails der Geschichte, gewesen? Oder der Erinnerung daran, was fairer Wettbewerb heutzutage noch bedeutet, wenn englische Vereine mit ihren Millionen deutschen Vereinen die besten Spieler wegkaufen.

Man stelle sich nur vor, Rudi Völler, meinungsstark wie eh und je, würde sich kleinlaut dafür entschuldigen – das passt irgendwie noch nicht zusammen. Entweder Ganz oder Gar nicht.

Also, liebes Bayer 04, danke zunächst für den unterhaltsamen und bissigen Tweet. Und schade zu sehen, dass auch ihr im scheinheiligen Fußball-Geschäft zwischen den Mühlen des Kommerz gefangen seid.

Schrammenhans