Fr. Dez 14th, 2018

Joel Matip: Verliert er seinen Platz bei Klopp?

Das Schalker Eigengewächs Joel Matip wechselte 2016 als einer der ersten Neuzugänge unter Jürgen Klopp zum FC Liverpool. Der in Deutschland geborene und aufgewachsene Kameruner kam ablösefrei und war den wenigsten englischen Fans ein Begriff. Mit seiner staksigen Statur und dem schüchternen Auftreten schien er eher nicht der damals benötigte Abwehrchef zu sein, den Klopp eineinhalb Jahre später in Form von Virgil van Dijk verpflichtete. Darüber  hinaus hing ihm kein Aufsehen erregendes Preisschild um.

Doch Matip überzeugte schnell durch schlaue Abwehrarbeit und seine Eigenschaften im Spielaufbau. Mit wenig Fouls auskommend löste er heikle Situationen durch starke Antizipation und hohe Grundschnelligkeit. Ausgestattet mit viel Zug nach Vorne konnte er häufig die von Klopp avisierten Umschaltaktionen initiieren. Neben Klavan, Lovren und Lucas Leiva als Aushilfsinnenverteidiger wirkte Matip beinahe wie ein Beckenbauer’scher Heilsbringer. Trotz einiger defensiver Aussetzer wurde er Stammspieler und kam in seiner ersten Saison auf 29 Einsätze in der Premier League. Sieben Spiele verpasste er aufgrund einer Verletzung.

In der Folgesaison startete er wieder als gesetzter Innenverteidiger und stand in den wichtigen CL-Qualifikationsspielen gegen Hoffenheim, den ersten vier Gruppenspielen der Champions-League, als auch den ersten elf Ligaspielen in der Premier League auf dem Platz. Doch eine Verkettung von unglücklichen Umständen pulverisierte Matip’s Status als Stammspieler.

Der Wendepunkt: Verletzungen, Jungspunde, Rekordeinkauf

Zunächst verpasste Matip aufgrund mehrerer Verletzungen mehrere Spiele und musste beinahe den kompletten Dezember aussetzen. Besonders in der Premier League kann dies schmerzhaft sein, da der Wintermonat mit vielen Begegnungen vollgepackt ist. Sieben Spiele in der Liga und ein Spiel in der Champions League hatte Liverpool im Dezember zu bestreiten und ging aufgrund von diversen Verletzungen personell auf dem Zahnfleisch.

Das hatte Folgen: Zum einen wurde überdeutlich, dass es an fähigen Innenverteidigern mangelt und man, auch aufgrund von Matip’s Verletzung, jetzt schon nachbessern musste. Dies wurde mit der Rekordverpflichtung von Virgil van Dijk getan, der direkt zum Boss der Abwehr erklärt und dieser Forderung auch gerecht wurde.
Zum anderen spielten sich während der Rückrunde andere Spieler in den Vordergrund. Allen voran Trent Alexander-Arnold auf der rechten Außenposition. Dies ist insofern wichtig, da sich dadurch ein anderes vielversprechendes Talent, Joe Gomez, voll auf die Position des Innenverteidigers konzentrieren konnte. Zuvor musste dieser häufig auf der rechten defensiven Seite aushelfen. In der Notlage durch die gewonnene Spielpraxis zwar eine Art Win-Win-Situation, aber keine Dauerlösung.

In der Rückrunde hatte sich die Situation für Matip also komplett geändert. Vom klaren Stammspieler neben Lovren sah er sich nun einem Konkurrenzkampf mit Gomez und Lovren für die Position neben Van Dijk gegenüber. Was großartig für den Trainer war, schnitt die Spielanteile von Matip stark ein, zumal sich dieser Ende der Saison erneut verletzte. Von 1710 möglichen Minuten in der Rückrunde der Liga absolvierte Matip lediglich 825, also weniger als die Hälfte.

Es gibt keine Stammelf mehr

Im erhöhten Konkurrenzkampf beim Liverpool FC ist zu erwarten, dass der talentierte Joe Gomez immer konstanter wird, während Matip’s Verletzungsanfälligkeit wieder problematisch sein könnte. Den aktuellen Saisonstart verpasste er leider erneut verletzungsbedingt. Rein sportlich gesehen verfügt Matip durch seine offensiven Qualitäten im Spielaufbau den anderen gegenüber jedoch einen Vorteil. Dieser könnte entscheidend sein. Darüber hinaus wird der Liverpool FC auch in dieser Saison enorm viele Partien absolvieren müssen und daher alle Spieler benötigen. Wie seit Jahren allerorts gepredigt wird, gibt es keine klare Stammelf mehr. Dies wird auch für Matip wieder viele Spielminuten bedeuten. Den Status eines unumstrittenen Stammspielers, der, wenn alle fit sind, auch in den wichtigsten Partien zum Zuge kommt, scheint er vorerst jedoch eingebüßt zu haben.

 

Schrammenhans